Eigene Erfahrungen mit Jakob Lorber und der Neuoffenbarung


Meine Erlebnisse waren ursprünglich der Ausgangspunkt der Internetseite. Ausgehend von der Schwierigkeit zu erklären, was die Neuoffenbarung wirklich ist, und der erneuten Beschäftigung mit ihr, taten sich immer neue Abgründe bei Lorbers Neuoffenbarung auf. Mehr und mehr wurde mir klar, dass die Neuoffenbarung von Jakob Lorber nicht nur meinen früheren Glauben geprägt, sondern die gesamte Lebenswirklichkeit auf eine charakteristische destruktive Weise bestimmt hat. Dieser Eindruck bestätigte sich, als ich nun über zehn Jahre später die Geschichte von Simon E. las. Es ist auch meines Erachtens notwendig über die Neuoffenbarung aufzuklären, um Sackgassen wie diese zu vermeiden.

 

Inhalt:



Leben mit einem Geheimnis
Erste Zweifel
Das Evangelium
Die Taufe
Rückblick
Kontakt/Impressum


 

Leben mit einem Geheimnis



Da ich in ländlicher, abgeschiedener Umgebung in Bayern aufwuchs und wir zu keiner Kirche gehörten, kannte ich zunächst nur den Glauben meiner nächsten Angehörigen. Wie sie glaubte ich an Gott, achtete darauf, ein anständiger Mensch zu sein und kannte auch viele biblische Geschichten. Trotzdem war mir der Gott dieser Geschichten fremd und ich erlebte ihn eher als Spielverderber denn als Freund und Vater. Das Problem war: Die Bibel kannte ich zwar - aber ich kannte sie fast nur aus der Neuoffenbarung von Jakob Lorber.

Schon als Kind wusste ich aus der Neuoffenbarung, dass ich mit diesem Wissen nicht hausieren gehen soll. Man erfährt in diesen Schriften, dass das Wissen um diese Offenbarungen ein besonderes Privileg darstelle, aber nicht alle Menschen so weit seien und es deshalb nicht verstehen könnten. So hörte ich mir z.B. später im Religionsunterricht oft Geschichten an, die ich viel besser zu kennen glaubte. Meist war aber das Problem, dass ich nicht genau wusste, wo Bibel aufhört und die Neuoffenbarung anfängt. So hielt ich mich zurück und lernte, mit dieser Halbwahrheit zu leben: "Ich glaube ich an die Bibel" - obwohl ich es besser weiß.

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Erste Zweifel



Als Teenager lernte ich eine Jugendgruppe der evangelischen Kirche im Nachbarort kennen, die aber auch offen für Jugendliche anderer Konfessionen war. Zuerst ging ich dahin, weil ich Christlichsein gut fand, aber irgendetwas fesselte mich so, dass ich regelmäßig mitmachte (z.B. bei selbstgestaltete Jugendgottesdienste - es waren damals ca. 50 Jugendliche). Ich fühlte ich mich dort sehr wohl. Wir lasen miteinander in der Bibel, sangen und beteten gemeinsam, planten missionarische Aktionen und verbrachten viel Zeit miteinander (Kino, Grillen, ...). Nur etwas irritierte mich. Jesus war wichtiger als ich es kannte. Und er war anders.

Zwar soll Jesus die Offenbarungen Lorber persönlich diktiert haben, und es wird auch ständig von Liebe (und "übergroßer Liebe" und der "allergrößten Liebe") geredet, aber gespürt habe ich sie beim Lesen nie. Wenn man in den Büchern von Lorber liest, wie "Jesus" mit den Menschen redet sind die Leute oft ganz hin und weg vor Liebe zu Jesus und sie lassen sich in seitenlangen Monologen darüber aus. Aber mit mir und meinem Leben hatte das nichts zu tun. Auch wenn man seitenweise über Liebe nur in Superlativen liest, ändert das nichts daran, dass man sich laut Lorber diese Liebe verdienen muss. Und dass man sich bemühen muss, zumindest "zur Hälfte"(!) geistig wiedergeboren zu sein (man ist deshalb laut dieser Lehre auch kein "Christ", sondern ein "werdender Christ"). Dass sich Jesus aus Liebe zu uns Menschen kreuzigen ließ, kannte ich. Nur konnte ich mit dieser Aussage nichts anfangen. Denn durch den Kreuzestod hat Jesus laut Lorber nur seinen Teil vollbracht, meinen eigenen muss ich trotzdem selbst vollbringen.

Es gibt in den Jenseits-Berichten auch Szenen von Menschen, die in den von ihnen angebeteten Gottheiten Jesus erkennen. Als ich deshalb einmal in der Jugendgruppe nachhakte, ob denn nicht ein "guter" Mensch aus einer anderen Religion durch gute Taten seiner Religion und Liebe zu irgendeiner Gottheit erlöst werden kann, kam aus dem Kreis sehr bestimmt, dass nur Jesus der einzige Weg ist und dass nur er retten kann. Diese Einschränkung verwirrte mich, weil ich es aus der Neuoffenbarung anders kannte.

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Das Evangelium



Durch die vielen Gespräche mit meinen neuen Freunden, die nichts von meinem Neuoffenbarungshintergrund wussten, lernte ich Gott immer besser kennen. Den Himmel kann man sich nicht verdienen, denn die Trennung von Gott, die ich nicht überbrücken kann, bleibt. Und Jesu Liebe braucht man sich nicht zu verdienen, denn er liebte mich schon bevor ich geboren wurde: Jesus ist meinen Tod, den ich eigentlich verdient hätte, gestorben, damit ich leben kann. Und jetzt hält er mir die Hand hin und bietet mir an: "Gib mir dein bisheriges Leben, und du bekommst von mir ewiges Leben. Vertrau mir, ich mache das Beste daraus."

Endlich hatte ich verstanden, was das Evangelium, zu deutsch "Frohe Botschaft", ist. Zehn dicke Bücher von Lorber heißen "großes Evangelium", aber in keinem habe ich es erfahren. Ich dachte sogar als Kind, "Evangelium" sei ein anderes Wort für langatmige Belehrungen.

Trotzdem traute ich mich nicht, Jesus mein Leben zu geben. Es war ein Wagnis, ich wusste nicht, was er damit vorhatte. Aus den Lorberschriften kannte ich nur, dass Gottes Wille eigentlich immer gegen den eigenen Wunsch geht, und dass das, was mir Spaß macht, meist schlecht ist. In dieser Zeit wurde mir dann auch noch von einem Neuoffenbarungsanhänger vorgeworfen, ich entwickle ein falsches Gottesbild, wenn ich glaube, ich könne als „werdender Christ“ so glauben wie die jungen Leute, die ich in der Jugendgruppe kennen gelernt habe. Letztlich gestand ich Gott meine Angst, dass mein Leben eine Quälerei wird, wenn ich jetzt seinen Willen tun muss. Doch es kam ganz anders. Jesus redet nicht ständig von Liebe, er lässt mich seine Liebe spüren - auch heute noch.

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Die Taufe



Wie jeder Christ wollte auch ich getauft sein. Vor allem erkannte ich aber in der Taufe die Möglichkeit, mich von dem, was mir noch aus meinem alten Leben anhängt loszusagen und mich öffentlich zu Jesus zu stellen. Ich hatte bereits alle Neuoffenbarungs-Bücher, die ich besaß, entsorgt, aber es quälten mich doch noch oft Gedanken daraus.

Durch verschiedene Umstände musste ich noch ein halbes Jahr auf meine Taufe warten. Früher glaubte ich, Anfechtung sei ein frommes Wort für: "Mir geht’s heute nicht so gut", bis ich sie dann selbst erlebte. Mit allen Mitteln wurde versucht, mich von dieser Taufe abzuhalten. Man kann schwer beschreiben, was da alles passierte. Es waren hauptsächlich innere Angriffe, aber auch äußere Umstände, die plötzlich auffällig häufig negativ auftraten. Dazu kamen wöchentliche Migräneattacken, die mehrere Tage andauerten. Ich hatte bis dahin noch nie Migräne, und nach der Taufe hörte sie auch schlagartig auf. Schon vorher, an dem Tag als ich mich entschloss, nun endlich offen über die Neuoffenbarung zu reden (Mt 10,26ff), wurde versucht, uns etwas anzuhängen. Mein Mann war ratlos, aber mir war klar, dass jemand nicht will, dass wir mit anderen über das Problem "Neuoffenbarung" sprechen. Vielmehr sollten wir alles stillschweigend auf sich beruhen lassen. Spätestens seit dieser Zeit weiß ich, dass das Böse genauso real ist wie Jesus. Aber Jesus ist stärker.

Irgendwie überstand ich das halbe Jahr bis zur Taufe. Schließlich stand ich am Pult um zu sagen, warum ich mich taufen lassen will. Ich wollte mit Reden beginnen, aber es war, als würde mir von hinten der Mund zugehalten werden. Ich wollte öffentlich - vor der sichtbaren und unsichtbaren Welt - festlegen, dass Jesus der alleinige Herr über mein Leben ist, aber es wurde versucht zu verhindern. "Etwas" wollte das nicht zulassen. "Etwas", das ich nicht sehen konnte. "Etwas" - oder "Jemand", der mich schon das letzte halbe Jahr von der Taufe abhalten wollte und nun seine letzte Chance witterte. Und mir wurde schlagartig klar, dass ich jetzt nicht nachgeben durfte. Ich begann, den Spickzettel, den ich mir geschrieben hatte, Wort für Wort vorzulesen. Jeder Satz war ein Kampf und wurde kaum verständlich hervorgewürgt. Innerlich schrie ich Jesus um Hilfe und Kraft an, damit ich durchhalten konnte und er half mir. Als ich aus dem Wasser stieg, fühlte ich mich trotz der nassen Kleider viel leichter als vorher. Ich konnte in vielerlei Hinsicht durch diesen Bruch mit der Neuoffenbarung neu anfangen. Es war wie eine Befreiung.

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Rückblick



Durch die Distanzierung von Lorbers Werk habe ich letztlich nicht nur viele Freunde gefunden, sondern auch Freunde aus meiner Kindheit verloren. Einige meiner früheren Freunde konnten nicht verstehen, wie man ein in ihren Augen so vollkommenes Werk verwerfen kann. Ich begann schließlich die Gründe für meine Entscheidung erst einmal für mich selbst und schließlich auch für andere zu sortieren und zu strukturieren. Manche Kritikpunkte ergaben sich erst bei der erneuten Beschäftigung mit der Neuoffenbarung, z.B. beim Vergleich unterschiedlicher Ausgaben. Früher war es undenkbar, die Neuoffenbarung offen in Frage zu stellen. Wenn man davon ausgeht, dass die Neuoffenbarung direkt von Gott diktiert wurde, sucht man die Ursachen für die Widersprüche und Abgründe in der Neuoffenbarung immer bei sich selbst. Viele meiner früheren Freunde hatten und haben solche Probleme nicht, da sie die Neuoffenbarung kaum kennen. So wie es Kirchengänger gibt, die die Bibel als Gottes Offenbarung ansehen, jedoch kaum jemals selbst in der Bibel gelesen haben, gibt es auch Anhänger der Neuoffenbarung von Jakob Lorber, die die Neuoffenbarung nicht lesen. Selbst eine Umfrage unter Mitgliedern der Österreichischen Jakob-Lorber-Gesellschaft, die die Verbreitung des Gedankenguts von Jakob Lorber als Ziel hat, ergab, dass sechs von 54 befragten Mitgliedern kein einziges Werk von Jakob Lorber gelesen haben (vgl. Rinnerthaler S. 198). Die diffuse Vorstellung von den Inhalten der Neuoffenbarung (auch vermittelt durch Sekundärliteratur und Vorträge) wird dann oft überlagert von traditionell humanistisch-christlichen Werten oder esoterischen Lehren. Auch wenn Antisemitismus in manchen Neuoffenbarungsgruppen heute noch latent vorhanden ist (vgl. Daxner S. 204 und 222f), Kinder im Sinne von Lorber erzogen oder Gesundheitsratschläge befolgt werden: Kaum ein Anhänger der Neuoffenbarung von Jakob Lorber setzt die Neuoffenbarung komplett in seinem Leben um, gewöhnlich handelt es sich immer nur um eine Auswahl von Passagen, die wahrgenommen werden. Trotzdem gibt es aus biblischer Sicht übergreifende kritische Tendenzen bei der Wirkung der Neuoffenbarung von Jakob Lorber, die von der Bibel nicht korrigiert werden können, da Lorberfreunde im Zweifelsfall die Neuoffenbarung der Bibel vorziehen (vgl. auch Rinnerthaler S. 234):

  1. Christen, die an die Neuoffenbarung glauben, grenzen sich innerlich von anderen Christen ab oder belügen sie, um mit ihnen zusammenzuarbeiten oder in einer Gemeinde leben zu können. Einer offenen Diskussion über die Neuoffenbarung wird ausgewichen.

  2. Menschen aus dem Esoterikbereich übersehen aufgrund des Werkes oft, dass es eben nicht um ein Geheimwissen geht, sondern um die Beziehung zu den Mitmenschen und zu Gott.

  3. Der Missionsaufruf wird verneint mit dem Verweis auf die Allversöhnerlehre und die entspechenden Empfehlungen Lorbers.

  4. Manche Anhänger, die es besonders ernst nehmen, ordnen sich einer Leidensmystik unter, derzufolge ihr eigener Wille und der ihrer Angehörigen gebrochen werden müsse und sie sich permanent erniedrigen müssten um wenigstens zur Hälfte wiedergeboren zu werden.

Dabei sind längst noch nicht alle Abgründe der Neuoffenbarung von Jakob Lorber ausgelotet. Diese Zusammenstellung ist daher weder abgeschlossen noch vollständig. Aber vielleicht kann sie eine Hilfe sein, wenn Menschen fragen, welche Rolle die Neuoffenbarung für ihr Leben spielen soll.

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