Rettungsversuche des Lorber-Verlages
Wie man sehen konnte, gibt es viele Versuche, kritische Stellen zu rechtfertigen. Und wenn alle „göttlichen“ und menschlichen Erklärungsversuche scheitern, gibt es noch die Möglichkeit, dieses "reinste Gotteswort" einfach abzuändern.
"Da Lorber kein mechanisches Schreibmedium, sondern ein Hörmedium war, (...) so ist es begreiflich, daß (...) dem Schreiber Lorber offensichtliche Schreib- und Hörfehler unterliefen. Diese wurden im Druck berichtigt." (Schrifttexterklärungen 3. Aufl. 1927, S. 8)
Passend zu dieser Darstellung zensierte der Lorberverlag die Darstellung von Ritter von Leitner, wonach Lorber durchaus auch ein mechanisches Schreibmedium war: "am schnellsten und zugleich am richtigsten schreibe er (Lorber) dann, wenn er die Hand sich ganz mechanisch mit der Feder fortbewegen lasse." (Leitner: Lebensbild, 1. Auflage 1924, Seite 19f). Nach 1929 verzichtete man schließlich auch auf das Eingeständnis, die Neuoffenbarung zu korrigieren. Dennoch ging die "Berichtigung" weiter.
In der Erstausgabe, aber auch noch in der 5. Auflage des 7. Bandes des Großen Evangeliums Johannes endete Kapitel 51 Vers 12 (über das Jüdische Volk) noch mit den Worten "- und ihr Name, der bis jetzt ein so hochrühmlicher vor aller Welt war, wird sein ein verachteter, und wird sein wie zum Anpissen!" In der 7. Auflage entschloss man sich dann die peinliche Passage zu streichen: "Und ihr Name, der bis jetzt vor aller Welt ein so hochrühmlicher war, wird ein verachteter sein."
Noch weiter ging man bei der "Erde". Hier zensierte man gleich elf Kapitel (in denen unter anderem Juden als Schweine beschimpft werden). Trotzdem wird dem gutgläubigen Leser im Vorwort (z.B. 6. Auflage) versichert, dass der Inhalt vollständig ist. Damit niemand Verdacht schöpft, dachte man sich auch ein neues Ende aus und legte es Gott in den Mund (vgl. z.B. 3. oder 4. Auflage). Statt "(...) es ist demnach in dieser Hinsicht Alles erschöpft. - Da aber auf der Erde (...) auch andere Einwohner leben, so wollen wir (...) diesen anderen Einwohnern einige Betrachtungen widmen." schrieb man "Es ist demnach in dieser Hinsicht alles erschöpft. Und somit – Amen!"
Dabei gab man sich Anfangs durchaus noch Mühe, die Textänderung auf eine „göttliche Anweisung“ zurückzuführen. Nachdem Lorberfreunde z.B. „grelle Widersprüche“ in „Die Erde“ fanden, empfahl angeblich Gott persönlich "bei dem Neudruck diesen ärgerlichen Theil einfach ganz wegzulassen"
Inzwischen wurden nicht nur die besagten elf Kapitel, sondern insgesamt etwa ein Drittel von Erde und Mond zensiert und der Rest angepasst. Neben „Erde und Mond“ oder dem „Großen Evangelium Johannes“ wurden auch andere Werke teilweise erheblich verändert. Man kann nur anhand der Erstausgabe versuchen zu rekonstruieren, was Lorber wirklich geschrieben hat. Die Handschriften Lorbers liegen sicher verwahrt beim Lorber-Verlag in Bietigheim-Bissingen. Es bleibt die Frage, wie viel Zensur und wie viele Textänderungen es bedarf, bis auch die kritischen Leser endlich glauben, der Text stamme unmittelbar von Gott.
Rekonstruktion der Änderungen .....(mit Fotobelegen)
Vertuschung von Lorbers unehelicher Tochter
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