Rettungsversuche von Lorberfreunden
Zumindest naturwissenschaftlicher Unsinn in der Neuoffenbarung wird in der Regel mit dem Verweis darauf abgetan, die Naturwissenschaften seien eben noch nicht so weit wie die Neuoffenbarung. Das ist interessant, schließlich bedienen sich Neuoffenbarungsanhänger gerne der aktuellen Naturwissenschaften wenn es darum geht zu beweisen, dass die Neuoffenbarung nur von Gott diktiert worden sein kann. Dieses schizophrene Verhältnis zur "Weltweisheit" erfüllt seinen Zweck, reicht aber nicht aus. Um Vorhersagen Lorbers über das vorzeitige Ende aller Kriege zu retten, müssen bereits Verschwörungstheorien entworfen oder benutzt werden, wie die, es hätte kein Mittelalter gegeben. Auch gefälschte Bilder von der Rückseite des Mondes, anderer Planeten und der Astronomie, der Biologie, der Medizin und der Geographie werden bei genauerem Lesen der Neuoffenbarung notwendig. Doch auch diese Maßnahmen zur Rettung der Neuoffenbarung reichen oft nicht aus. Denn schließlich kann sich heute jeder selbst davon überzeugen, dass weder am Nord- noch am Südpol ein zig kilometergroßes Loch bis ins Erdinnere klafft. Andere Erklärungsversuche greifen deshalb nur die Teile des Textes heraus, die vielleicht eher passen und erklären die anderen für ungültig. Das funktioniert zwar manchmal, wirkt aber etwas willkürlich. So wird argumentiert, das Loch befände sich nicht am geographischen, sondern am magnetischen Nordpol bei Grönland. Dabei schreibt Lorber in seinen Naturzeugnissen, dass er den geographischen Nordpol meint: "Ein Pol eines Weltkörpers ist derjenige Punkt, der die meiste Ruhe unter allen Punkten der Erde oder irgend eines Weltkörpers hat". Doch selbst diese Selektion hilft nicht, schließlich kann man ja auch nach Grönland fliegen. Außerdem hat man mit diesen Erklärungen noch keine Antwort auf die seltsame Ethik, die Gewaltexzesse Jesu und den Rassenhass der Neuoffenbarung.
Hier bedienen sich Lorberfreunde nun der Idee der Entsprechungslehre. Wenn Lorber Juden als kotfressende stinkende Schweine bezeichnet, dann sei "Jude" nur eine Bezeichnung für einen solchen Menschen. Jeder Mensch könne in diesem Sinne ein "Jude" sein, sofern er solch ein Schwein ist. Der Text bleibt dabei aber antisemitisch. Während die Neuoffenbarung vorher Juden diffamiert, machen Lorberfreunde den Begriff "Jude" zum Synonym für ein raffgieriges, gewissenloses Schwein und damit alles nur noch schlimmer. Es ist also nichts gewonnen, wenn man die Neuoffenbarung als Bilder und Gleichnisse liest, die Texte bleiben eine Schande, eine Peinlichkeit, die man besser verschweigt.
Von Neuoffenbarungsfreunden wird deshalb angeführt, Gott habe ja nur sehr indirekt zu Lorber gesprochen und deshalb habe sich, speziell nach Alkoholgenuss, Lorbers eigene Meinung darunter gemischt. Zum einen könnte man sich nun fragen, ob nicht die ganze Neuoffenbarung auf einem Delirium basiert (einige Lorberfreunde vermuten sogar eine Leberzirrhose als Todesursache Lorbers, vgl. Dr. Andreas Finke: Jesus Christus im Werk Jakob Lorbers, S. 17). Andererseits ist es kaum vorstellbar, dass Gott unter solchen Umständen bereit war weiter zu diktieren. Die Neuoffenbarung stellt sich zumindest selbst anders dar:
»Eben darum aber erwählte Ich dich, weil du kein Schreiblustiger bist, um eben dadurch Meine Ware einmal ganz rein vor die Welt zu bringen«
(Himmelsgaben Band 2, 8. Februar 1844)
»Da ihr aber das mächtige Gewicht Meiner Worte also tatsächlich habet kennengelernt und habt euch von ihrer vollsten Wahrheit überzeugt, so habet denn nun auch fürderhin acht auf das, was da noch geschehen wird.«
(Himmelsgaben Band 3, 15. März 1849)
»So ihr aber glaubet, daß Ich Derselbe bin und rede mit euch (...) durch den (...) Knecht (...), – warum ist denn da (...) unrein eure (...) Meinung, derzufolge Mein (...) Knecht aus sich auf Meinen Namen Mittel gäbe, die dann nicht helfen könnten, weil sie (...) nicht von Mir, sondern vom Knechte seien? Wisset ihr denn nicht, daß Ich den Knecht alsbald verwerfen würde, so er so etwas sich erlauben würde?« (Himmelsgaben Band 3, 17. August 1848)
»Sehet, Mein Knecht ist klein und einfältig und hat ein sanftes Herz (...) Wenn Ich ihm nun ein kleines Licht (...) gegeben habe, so glaubet es, daß es wahr ist in allen Punkten (...), da alles (...) unmittelbar von Mir (...) kommt.« (Himmelsgaben Band 1, 2. August 1840)
»Die Gottheit zwingt den Propheten (...) in jenen Momenten seiner Tätigkeit (...) streng nach dem Willen der göttlichen Weisheit zu reden, zu schreiben und zu handeln (...)« (Großes Evangelium Johannes, Band 10, Kapitel 240, Vers 6)
Auch Ritter von Leitner stellte den Schreibvorgang direkter dar: "am schnellsten und zugleich am richtigsten schreibe er (Lorber) dann, wenn er die Hand sich ganz mechanisch mit der Feder fortbewegen lasse." (Leitner: Lebensbild, 1. Auflage 1924, Seite 19f) Allerdings wird auch diese Aussage mittlerweile vom Lorberverlag zensiert (weitere Zensuren vgl. Rettungsversuche des Lorber-Verlages).
Doch selbst wenn sich einzelne Hörfehler eingeschlichen haben, so ist damit noch nicht geklärt, wie sich die gleichen Fehler wiederholen können. Dass Vögel mit Wasserstoff fliegen, hörte Lorber am 16. August 1840 (kleinere Naturzeugnisse, 1. Aufl. S. 15) und über 20 Jahre später nochmal (Großen Evangelium Johannes, Band 10, Kapitel 227). Bezüglich des Loches am Nordpol verhörte sich Lorber am 11. Oktober 1840 (kleinere Naturzeugnisse) und am 11. Januar 1847 (Die Erde, Kapitel 7 Vers 6). Im Großen Evangelium Johannes verhörte sich Lorber jedesmal, wenn "Jesus" aus dem Alten Testament mit Kapitel und Versangabe zitiert, eine Einteilung, die erst im 13. Jahrhundert (Kapitel) und 16. Jahrhundert (Verse) vorgenommen wurde, mit der "Jesu" Zuhörer also nichts hätten anfangen können. Konsequent lebte Jesus laut Neuoffenbarung in der heiligen Familie und auch später nach christlicher und nicht nach jüdischer Tradition, sprach von "den Juden" als wäre es eine kleine homogene Gruppierung in Israel und als würde er selbst nicht dazu gehören, eine Darstellung, die sich kontinuierlich über tausende von Seiten erstreckt (vgl. Finke a.a.O., S. 162ff & 176f). Die Frage ist also nicht, ob sich Lorber verhört hat, sondern ob er Gott überhaupt einmal gehört hat. Beim aufmerksamen Lesen findet sich kaum ein Kapitel ohne Eigentümlichkeiten.
Kommt man mit dem Verstand nicht weiter, so kann man ihn immer noch ausschalten:
»Mit dem Verstande aber besehen wird es euch immer mehr und mehr zu befremden anfangen; (...) Daher sollet auch ihr euren Verstand unter den Gehorsam des reinen Gefühles im lebendigen Glauben aus der Liebe zu Mir vollends gefangen nehmen!« (Naturzeugnisse vom 16. Oktober 1840)
In ähnlicher Weise nahmen ein paar Jahre später Millionen von Deutschen ihren Verstand aus Liebe zum Führer und im Glauben an den Endsieg gefangen und erwachten mit Blut an den Händen unter den Trümmern des Zweiten Weltkrieges wieder. Kopflos lässt sich eben alles glauben.
Umgang mit Kritikern
Die kompletten Zitate zu "Rettungsversuche von Lorberfreunden" stehen unter "Der Anspruch der Neuoffenbarung"
Forum zu Rettungsversuchen von Lorberfreunden
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